Dass der Garten uns überraschen kann, ist ja nichts Neues. Das tut er gern und immer wieder. Doch manchmal übertreibt er es ja auch ein wenig. Da spannt er einen erst jahrelang auf die Folter, welche Pflanze da wohl wächst und wie sie blühen wird, wenn wir sie nur stehen lassen, doch wenn die Zeit der feierlichen Enthüllungen gekommen ist, ist man doch ein bisschen enttäscht.
So geschah es bei einer Art Lauch, die sich hinten im Rasen angesiedelt hatte. Erst war er nur grasähnlich und so wurde er in der Anfangszeit öfter abgemäht, als ihm lieb war. Irgendwann war er aber so groß, dass er nicht mehr zu übersehen war. Fortan wurde er vom Rasenmäher verschont, denn sicher blühte er spektakulär? Ich hatte mit Sämlingen von Allium sphaerocephalon gerechnet, aber sicher war ich mir nicht, es gibt ja mehrere Läuche mit dünnem Laub, das aussieht, als hätte man einen Schnittlauch rabiat in die Länge gezogen.
Dieses Jahr sollte das Geheimnis endlich gelüftet werden, es bildeten sich Knospen! Als der Lauch seine Hüllen fallen ließ, war allerdings zu erkennen, dass da etwas nicht stimmte. Statt Blüten zeigten sich winzige Brutzwiebeln, das ganze Gebilde sah aus wie ein Morgenstern, der aber wohl höchstens Vampire in die Flucht geschlagen hätte.
Doch es gibt Hoffnung: Ein paar Blüten wollen mich wohl doch gnädig stimmen und haben einige Alibi-Blütenknospen in ihre vegetative Vermehrungswut eingebaut. Na also, geht doch.
Ich vermute, es handelt sich hier um den Weinbergs-Lauch (Allium vineale), eine Art, die es sich durch ihre Brutzwiebelbildung gründlich mit den Bienen verscherzt, aber immerhin trockenheitstolerant ist. Die Brutzwiebeln können auch direkt an der Mutterpflanze austreiben und wenigstens einen grünen Wuschelkopp produzieren.
Die Brutzwiebeln sollen wie Knoblauch schmecken, doch ist es sicher reichlich mühsam, sie zu pellen.
Allium vineale ist in ganz Deutschland verbreitet und wächst nicht nur in Weinbergen. Zu seinen Hauptvorkommen gehören Äcker und kurzlebige Unkrautfluren sowie nährstoffreiche Stauden- und ausdauernde Unkrautfluren - dann hat sich wohl in meinem Garten eine ausdauernde Unkrautflur entwickelt? Nicht sehr schmeichelhaft, aber sei's drum.
Seltsame Blüten treibt dieses Jahr auch der Farn, der sich ganz von selbst vor Jahren im Garten eingefunden hat. Er schmückt sich mit fremden Blüten und hat sich eine Rosenblüte aufgesteckt. Ist es nicht kurios, dieses Gruppenbild aus Farn, Rose, Blattschneiderbiene, Geranium nodosum und Wald-Glockenblume?
Eine andere Pflanze, die mir dieses Jahr Rätsel aufgibt, ist die Kapuzinerkresse. Die ist ja eigentlich nicht ungewöhnlich, aber diesmal haben die im letzten Jahr selbst gesammelten Samen zwei Pflanzen mit panaschierten Blättern ergeben. Die sind unfassbar schick!
Mal schauen, wie bei denen die Blüte später aussieht. Ich nehme doch an, dass sie vernünftig blühen werden und nicht wie der Lauch direkt Jungpflanzen produzieren...
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Neulich war übrigens das Gartenradio zu Gast in meinem Garten und hat einen Podcast darüber gemacht, der hörenswert ist. Ich habe von Pflanzen- und Bodenökologe Prof. Matthias Rillig noch viel über Mikroplastik im Boden gelernt und was es mit Regenwürmen macht. Hört mal rein!
























