Samstag, 23. Mai 2020

Blumenzwiebeln pflanzen: Auf die harte Tour

Blumenzwiebeln pflanzt man im Herbst, mindestens mal die ganz dicken, wie Zierlauch, Narzissen und Tulpen. Mit Laub dran, also "in the green", setzt man Schneeglöckchen, doch man ist ganz schön arbeitswütig und waghalsig, wenn man sich Tulpen und Allium auch mit Laub dran in den Garten holt. Aber manchmal muss man vom gewohnten Weg abweichen, um kostenlose Blumenzwiebeln zu bekommen. Dass am oberen Ende eben noch was Grünes baumelt, ist dann eben so: Geschenktem Lauch schaut man nicht ins Laub. Oder so ähnlich.

Jedenfalls hatte der botanische Garten dieses Jahr ganz wunderprächtige und farblich sagenhaft aufeinander abgestimmte Tulpenbeete zu präsentieren.



Und wie das immer so ist bei diesen Schaubeeten, dürfen die Tulpen hier nicht in Ruhe ihren Lebensabend genießen, sondern müssen Platz machen für Neues. Und zwar schleunigst. Kaum steht bei den zweistelligen Kalenderwochen die 2 vorne, muss alles raus. Ich hatte vorher angefragt, ob ich beim Tulpenretten helfen darf. Prompt wurde mir der Termin genannt, also nix wie hin.

Einmal den Einkaufskorb vollgemacht mit den schönsten Tulpen. Was vorher nicht zu sehen war, weil er noch nicht blühte: Darunter war auch zaudernder Zierlauch, noch in Knospe. Der musste jetzt auch raus, das war dann Pech, dass er seinen Blühtermin verpasst hatte, Gnade gab's trotzdem keine.






Zuhause war es dann nicht gerade ein Vergnügen, die Pflanzen mit ihren meist meterlangen Blütenstielen in den Boden zu bekommen. Dank der wochenlangen Regenpause rieselten die Pflanzlöcher immer wieder zu.

Irgendwann war das auch geschafft, alle Rodungsopfer waren in der Erde und frisch angegossen. Erst sah das auch durchaus ganz nett aus. Doch dann glichen die Tulpen eher Glockenblumen mit hängenden Blüten. Zu groß war der Kulturschock des Rausrupfens und Umsetzens. 







Nur die schwarze Sorte 'Black Hero' und diese dunkel gestreifte hielten sich besser. Ich habe sie zum schon vorhandenen Allium aflatunense gesetzt.




Und der gigantische Zierlauch ist auch nicht von schlechten Eltern. Die Knospen waren schon fantastisch, jetzt blühen dunkel violette Blütenkugeln auf ewig langen Stielen - Beine bis zum Hals hat dieses Allium! Wirklich beeindruckend, nur den Sortennamen kenne ich nicht, mittlerweile tippe ich aber auf Allium altissimum 'Goliath' bzw. 'Samson'.



Hier mit Bad-Hair-Day, aber das verwächst sich wieder:





Der Zierlauch wird hoffentlich auch in den Folgejahren noch blühen. Bei den Tulpen weiß man's nicht so genau. Einmal sind sie bei Wühlmäusen begehrt, andererseits neigen diese hochgezüchteten Sorten ab dem zweiten Jahr gern zum Streiken.

Naja, gucken wir mal. Für einen kurzen Moment hatte ich jedenfalls Prachtbeete mit einem Hauch Sensationsgier wie im botanischen Garten...

Samstag, 16. Mai 2020

Fünf Blütenblätter sollt ihr sein

Das ist ihr Markenzeichen: Fünf blaue Blütenblätter rund um eine weiße Blütenmitte. Das ist auch schon das Flauschigste an der Pflanze, der Rest ist borstig und nicht gerade kuschlig. Keine Staude also, die man zum Muttertag verschenkt, auch wenn sie dann gerade so schön blüht: Die Immergrüne Ochsenzunge (Pentaglottis sempervirens) zählt vielleicht nicht zu den Prachtstauden, ist aber unglaublich zäh, verträgt lichten Schatten, versamt sich in Eigenregie und man muss sie nie gießen.





Nur das Ausputzen der braun gewordenen Blütenstände ist etwas lästig, weil die borstigen Stiele die Haut ein bisschen irritieren können. Aber wozu gibt es Handschuhe? 

Ich habe einige Exemplare hinten im Garten. Alles hat mit einem einzigen angefangen, das auch immer noch lebt - nach 10 Jahren! Da diese Pflanze also dieses Jahr Jubiläum feiert, darf sie sich mal wieder einen eigenen Blogartikel wünschen.


Obwohl das alte Raublattgewächs das gar nicht nötig hätte, denn anscheinend finden die Suchanfragen meinen Blog zuverlässig, denn die Staude ist eine Rarität, im Handel kaum zu finden. Und so bekomme ich öfter Anfragen, hauptsächlich von Imkern, die eine zuverlässige Bienenweide suchen. Manche schicken netterweise gleich das Porto vorab mit, damit ich ihnen Samen schicke. Keimen tut das Saatgut kinderleicht.

Bei Insekten ist die Pentaglottis wirklich rasend beliebt. Hummeln, Honigbienen und Mauerbienen findet man jeden Tag an den blauen Blüten, die in der Handhabung auch ganz einfach sind: Einfach den Bienenrüssel in den weißen Punkt stecken. Zum Pollensammeln scheint sie daher weniger geeignet, aber irgendwie muss sie ja auch bestäubt werden, denn mit der Potenz hat sie zumindest keine Probleme.




Also nach 10 Jahren immer noch ein Rätsel.

Auch diese Wanze mit Herz, eine Wiesenwanze, schätzt die Pflanze, hat aber vermutlich eher Zerstörerisches im Sinne.

Dieses unbekannte, wunderschön goldene Osmia-Männchen habe ich bisher nur auf der Pentaglottis gefunden, leider immer ohne Weibchen:




Da die Samen ein Eleiosom haben, das Ameisen gern verspeisen, tragen sie die Saat im ganzen Garten herum und wohl auch in den Kompost, von wo man sie noch weiter im Garten verteilt.

Komischerweise habe ich die Pentaglottis noch nie außerhalb meines Garten gesehen, ob sie immer gejätet wird?

Eigentlich schade, denn gerade jetzt im Mai zaubert sie einen wiesenartigen Effekt in den Garten, tatkräftig unterstützt von Geranium phaeum.




Ich mag ihre fünf Blütenblätter jedenfalls!

Samstag, 9. Mai 2020

Kohl vom Kompost

Gibt es eigentlich zweijähriges Gemüse, das auch im zweiten Jahr noch gut aussieht und bei genug Platz, und wenn man keine Samen ernten möchte, auch mal im Beet bleiben darf? Die Schönheitskönige unter den Gemüsen, wie Mangold zum Beispiel, sehen doch während der Blüte nur untenrum noch halbwegs adrett aus, die Blüte ist dagegen nichts, was man sich freiwillig ins Blumenbeet holen würde, außerdem duftet sie nicht gerade nach Rosen.

Klar, Möhren sehen natürlich super aus, wenn sie im zweiten Jahr blühen, und Pastinaken erst, allerdings will man da ja den Teil essen, der unter der Erde wächst, und wenn man das getan hat, blüht da oben auch nichts mehr.

Wir suchen also ein Gemüse, das man erst nach Herzenslust abernten darf, dann im Beet lässt, um sich im zweiten Jahr an einer sagenhaften Blüte zu erfreuen. Samen ernten kann man dann auch noch, wenn man möchte.

Ich habe es mal mit Palmkohl ausprobiert. Der sieht schließlich immer super aus. Eigentlich war das nur Zufall und eine fixe Idee, als ich im Herbst einen weggeworfenen Kohlstrunk mit Wurzel auf einem Komposthaufen gefunden habe. Den habe ich einfach im Garten wieder eingepflanzt, obwohl er schon ziemlich zerrupft aussah.

Und das hat sich am Ende als großer Glücksfall herausgestellt, sowohl für den Kohl als auch für mich. Und für die Insekten.



Aber noch mal von vorne: Erst sah das gute Stücke nach nichts aus als nach kompostierbaren Essensresten.



So hat er sich entwickelt: Als ich schon dachte, da tut sich nichts mehr, erschienen doch aus allen Ecken neue Blätter.



Seit Anfang April blüht der Kohl nun schon und noch immer sind Knospen da. Zu den Blütenbesuchern gehören der Aurorafalter, Grünader-Weißling, Hummeln, die Rotschopfige Sandbiene, Mauerbienen, Masken- und Furchenbienen, weswegen auch schon mal eine Grüne Krabbenspinne auf der Lauer lag.







Und jetzt wird es tatsächlich noch mal schöner, denn die Blüten des Zierlauchs (Allium aflatunense) haben sich zwischen die Kohlblüten gedrängelt und bilden mal wieder meine diesjährige liebste Farbkombi: Lila und Gelb.







Man sollte also öfter Gemüse blühen lassen - zumindest bei Kohlgewächsen ist das spektakulär genug und macht den Insekten eine große Freude.

Samstag, 2. Mai 2020

Storchschnabel in Gelb

Storchschnäbel, Geranium, sind bei Staudenfreunden äußerst beliebt, wenn es nicht gerade der Stinkende ist. Bei allen braven Vertretern der Gattung wird gern das Sammelfieber ausgelöst, um möglichst alle Arten mit ihren Sorten im Garten zu haben.


Jedem fortgeschrittenen Geranium-Fan dürfte bekannt sein, dass die Stauden am liebsten in Blau oder Lila blühen, manche in Rosa, und einige auserlesene Sorten in Weiß. Was man also garantiert nicht findet, ist ein gelb blühendes Geranium, wofür die meisten Gartenbesitzer auch wirklich froh und dankbar sind, denn diese schreiende, geschmacklose Farbe kommt ihnen höchstens in Form einer Narzisse ins Beet. Im Mai soll das grelle Gelb aber bitte wegbleiben.

Und wenn man nun aber unerklärlicherweise doch einen gelben Storchschnabel haben möchte, weil man diese Farbe fröhlich und nicht etwa abstoßend findet? Nun, wenn wir ein bisschen mogeln, kriegen wir auch das Unmögliche hin! Wie das denn, ist sie jetzt völlig übergeschnappt, meint ihr?

Man nehme einfach den Wolligen Hahnenfuß (Ranunculus lanuginosus). Selbst von Nahem betrachtet ähneln die Blätter einem Storchschnabel und die gelben Blüten erkennt man aus einiger Entfernung sowieso nicht mehr im Detail, schließlich sind sie auch nicht größer als die eines handelsüblichen Storchschnabels.





Moment, sind Hahnenfüße nicht einerseits gelb und andererseits das wuchernde Elend, man denke nur an den Kriechenden? Der Wollige ist aber wirklich herzallerliebst. Der bildet einen hübschen Horst, wie es auch ein braves Geranium ganz tugendhaft tut, und hat sagenhaft kuschlige Blätter.

Und er verträgt Halbschatten und lichten Schatten. Seine typisch hahnenfußartigen Blüten sind unterseits auch ganz behaart, wie schon die kugeligen Knospen.






Die Staude lässt sich sehr einfach aus Samen ziehen, sobald sie reif sind, will heißen, wenn man sie einfach vom Samenstand abstreifen kann.




Dann einfach aussäen und ganz schnell hat man kleine Keimlinge, die rasch wachsen und schon im nächsten Jahr blühen. Die Samen von meinem Wolligen Hahnenfuß stammen aus dem Park nebenan, wo sie an der Bachböschung wachsen. Da die Pflanze zwar heimisch ist, aber an genau dem Standort eigentlich nicht wild wächst, und ich weiß, dass sie von jemandem absichtlich dort ausgesät wurde mit Saatgut aus einem anderen Bundesland, habe ich mir erlaubt, ein paar Samen mitzunehmen. Das hier ist die Mutterpflanze, ganz schön groß:


Das hier war der Nachwuchs im Herbst:



Die Blütenfarbe ist ein eher warmes Gelb, wie beim Goldlack, die Blütenfarbe der Kriechenden Gämswurz wirkt daneben deutlich kühler.








Ranunculus lanuginosus ist eine der Nahrungspflanzen der Hahnenfuß-Scherenbiene. Man muss also gar keine Hahnenfußwiese oder Beete voll von Ranunculus repens haben, um sie in den Garten zu locken. Mit dem Wolligen Hahnenfuß kann man ganz einfach wiesenartige Effekte ins Beet zaubern. Das ist doch schön. Für trockene, sonnige Plätze ist übrigens der Illyrische Hahnenfuß (Ranunculus illyricus) geeignet, den besucht die Biene auch.

Na, ich denke mal, ich habe jetzt keinen von euch wirklich überzeugt vom Wolligen Hahnenfuß, oder? Doch zu gelb, was?