Posts mit dem Label Samen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Samen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 3. August 2024

Malven ohne Feuer?

Man muss die Samen feiern, wie sie fallen, und vor allem kann man sie säen, wie sie fallen. Kann man, muss man aber nicht. Sie würden auch im nächsten Jahr noch keimen, aber wenn eine Pflanze genau jetzt mit Samen um sich wirft, kann das bedeuten, dass sie auch jetzt schon startbereit ist und keimen möchte. Zweijährige Pflanzen fallen in diese Kategorie, zum Beispiel die Wilde Malve (Malva sylvestris). Die gehört zu den ganz Eifrigen. Die Samen reifen genau jetzt und man kann sie auch jetzt direkt säen. Das hat den Vorteil, dass sie im Herbst noch weiterwachsen und im Frühling schon richtig groß sind. Wer wie ich viele Zwiebelblumen und Bärlauch im Beet hat, braucht diesen Vorsprung, damit die Malvenkinder im Frühling nicht hoffnungslos untergehen.



Wenn die Samenkapseln braun werden, sind sie fällig. Oft löst sich der ganze Donut aus Samen ab. Es sind aber tatsächlich mehrere, die man auseinander nehmen kann. Ansonsten hätte man eine ringfömige Samenbombe, die zu viele Keimlinge auf einem Haufen versammeln würde - ein Ring, sie zu knechten, man kennt es ja.



Praktischerweise sind Malven auch relativ schneckenunempfindlich. Und sie keimen rasend schnell!

Diese Kleinen sind aus Samen gekeimt, die ich aus einem Beet in der Stadt mitgenommen habe, wo eine besonders große Wilde Malve wächst, die schon Stockrosenausmaße erreicht hat.

Was nur leider dieses Jahr auffällt: Es gibt kaum Feuerwanzen, die sich sonst ja immer sehr für Malvensamen interessieren. Wo sind sie? Malven ohne Feuer geht doch eigentlich nicht! Das macht mir schon ein wenig Sorgen. Andere Wanzen haben unter dem ständigen Sturm mit Starkregen gelitten. Massenweise hat es die Nymphen der Birkenwanzen vom Baum geweht, wo sie keine Nahrung finden, und meine kleinen Grünen Stinkwanzen waren nach einem Gewitter auch arg dezimiert. 


Beobachtet ihr das auch, dass die Feuerwanzen fehlen?

Samstag, 25. März 2017

Je oller, je doller

Jetzt kommt man im Supermarkt unweigerlich an bunten Regalen mit Blumensamen vorbei. Stets sind sie so strategisch günstig platziert wie die Schokolade - beide wecken natürlich auch gleich Begierden. Die Bilder mit den Blümchen lassen uns vom Sommer träumen - ein perfider Trick, wenn es draußen gerade trübselig ist. Beim Einkauf muss ich mich also immer arg zusammenreißen, nicht zu viele Tütchen mitzunehmen. Am besten gar keine. Finger weg! Der Platz auf meiner Fensterbank ist schließlich begrenzt und der im Beet sowieso. Am Ende werde ich doch wieder nichts aussäen, das wäre doch schade.

So geschehen auch vor 10 Jahren, als ich bei Thompson&Morgan selbst online nicht widerstehen konnte und meinem damals noch nicht so vollgewucherten Garten ein paar Blumen schenken wollte. Ich weiß noch, dass die Saat nicht billig war und am Ende ist sie nie aufgegangen, weil ich die Anzucht auf das nächste Jahr verschoben hatte. Oder übernächstes. Jedenfalls waren die Tütchen irgendwann aus den Augen und aus dem Sinn, dann gar nicht mehr wiederzufinden.

Nun sind sie jedoch beim Aufräumen wieder aufgetaucht, im Jahr ihres 10-jährigen Jubiläums - was nicht gerade für meine Ordnung spricht. Nun ist das wirklich kein Grund zum Feiern, denn auch mit Keimschutzverpackung ist das ein stolzes Alter für Blumensamen - die reifen nicht wie ein guter Wein. Die haben schon nach wenigen Jahren viel von ihrem jugendlichen Ehrgeiz eingebüßt. Aber aufgeben wäre zu einfach. Jetzt habe ich es also mal in Angriff genommen und die Samen ausgesät.

Es handelt sich um Schleierkraut (Gypsophila elegans), Strahlen-Breitsame (Orlaya grandiflora) und Spinnenblume. Letztere wäre besonders interessant, weil sie schön blüht und von Kohlweißlingen gefressen wird. Das Saatgut ist so alt, dass die Pflanze mittlerweile sogar umbenannt wurde. Hieß sie damals noch Cleome spinosa, firmiert sie jetzt unter Tarenaya hassleriana. Wer soll sich das alles merken?

Die Samen kann man nun ruhig dicht säen, denn die Keimquote wird höchstwahrscheinlich nicht im hohen Prozentbereich liegen, eher im Promillebereich.

Und was sehe ich da? Das Schleierkraut hat sich eine Tapferkeitsmedaille verdient und keimt tatsächlich! Sogar sehr viele Keimlinge sind es, die es nun wirklich wissen wollen.


Die anderen altersschwachen Kandidaten leider bis jetzt gar nicht...

Weil das alles ein bisschen trostlos ist, habe ich zum Glück noch fertige Blümchen auf der Terrasse stehen - denn wer beim Bloggertreffen letztes Jahr bei Volmary dabei war, hat ein Paket mit Blumen zugeschickt bekommen. Mit dabei waren Bellis, weiße Hornveilchen und die besonders schönen Stern-Primeln 'Jupiter' - sind die nicht herrlich retro? Wie die Prilblumen früher, nur mit Nektar.








Ich werde gut drauf aufpassen und hoffen, dass die 'Jupiters' in meiner Umlaufbahn bleiben - so wie auch das altehrwürdige Schleierkraut, wenn es mal erwachsen ist..

Mittwoch, 6. Mai 2015

Kraut-Funding

Viele fragen sich bestimmt: Was macht eigentlich das Null-Euro-Beet dieses Jahr so? Hat es immer noch keinen Cent gekostet oder ist dort mittlerweile der Wohlstand ausgebrochen? Seht selbst, was inzwischen passiert ist:

Vergissmeinnicht hat sich über wirklich nur homöopathische Kompostgaben eingeschummelt und blüht in großen Tuffs. Frühlings-Margeriten sind einfach aus dem Nichts erschienen. Kleine Pflänzchen von Geranium phaeum aus meinem Garten haben trotz ihrer Jugend schon Blüten.


Der Zypressen-Wolfsmilch (Euphorbia cyparissias) geht es ebenfalls blendend, zur Sicherheit wurde sie noch durch weitere Ableger ergänzt, falls das mit dem Wuchern wider Erwarten nicht so klappen sollte.



Meine Nachbarin von schräg gegenüber hat noch einen stattlichen Ausläufer ihrer Purpur-Schlehe (Prunus spinosa 'Purpurea') gesponsert und als Zugabe Spornblumen aus Pflasterfugen und Spanische Gänseblümchen (Erigeron karvinskianus), die sich nach einiger Anstellerei und vielen Notwasserungen nun doch zum Mitblühen entschlossen haben.


Aus meiner Winterzweige-im-Wasserglas-Aktion stammen Hartriegel und Liguster. Ich bin außerdem ganz stolz, dass ich die geglückte Bewurzelung von Roter Heckenkirsche (Lonicera xylosteum) in der Vase bekannt geben kann! Der Strauch ist winzig und ziemlich zerrüttet, aber er lebt.

Josta- und Johannisbeere haben netterweise mit Absenkern und Stecklingen zur weiteren Auffüllung des Beetes beigetragen. Beim Thema spontane Bewurzelung macht denen ja so schnell keiner was vor.

Dazu noch ein Sämling vom Schmetterlingsflieder sowie allerlei Ausläufer meiner gesammelten Wildrosen und der Grundstock an Sträuchern steht, wenn auch noch nicht raumgreifend.

Efeu-Ableger und eine kleine Clematis vitalba haben die anspruchsvolle Aufgabe bekommen, den Zaun irgendwann blickdicht zu machen.

Dank des großzügigen Bodenumbruchs im neuen Beetteil, entstanden durch den Zaunbau, keimen reichlich Mohnpflanzen, die sicher Jahrzehnte im Boden auf ihren großen Augenblick gewartet haben. Sie dürfen natürlich blühen, meinen Segen haben sie. In das Erweiterungsbeet habe ich noch Phacelia ausgestreut, das sich im alten Teil durch Selbstaussaat erhalten hat, ebenso wie das Mauretanische Leinkraut.

Die Dahlien und Gladiolen vom letzten Jahr sind wieder glücklich unter der Erde, nachdem sie den Winter auf meinem Dachboden in Dunkelhaft verbracht haben. Von denen sieht man natürlich noch nicht allzu viel.

Und was wäre ein zünftiges Null-Euro-Beet, wenn nicht auch ein paar unbekannte Partycrasher teilnehmen würden, damit auch ja keine Langeweile aufkommt? Zur Fahndung ausgeschrieben sind diese beiden Opportunisten:



Ich freue mich außerdem, dass Anette vom Blog "Neuer Gartentraum" mir beim Kraut-Funding für's Null-Euro-Beet behilflich ist, denn sie hat mich nominiert für den OBI-Frühlingsgruß, das ist ein Sämereienpaket mit tollen Arten, wie Erdbeerspinat, Schnittknoblauch, Lupine und vielen anderen. Die Samen wurden in der Blumenstadt Erfurt produziert. Vor allem die Lupinen werden sich in dem sandigen Boden sicher wie zuhause fühlen.

Ich darf nun zwei weitere Blogs nominieren, die das Samenpaket erhalten können, wenn sie möchten. Ich habe mich entschieden für Patchgarden und Gartenbuddelei, weil beide einen großen Garten haben, der sicher noch viel freien Platz bietet.

Freitag, 17. April 2015

Anny, die Nanny

Das hier ist Anny. Obwohl sie etwas hölzern scheint, hat sie früher sehr erfolgreich im Import-Export-Gewerbe gearbeitet und eine tragende Rolle innegehabt. Eine besonders süße Last hatte sie sogar zu verantworten: Spanische Süßkartoffeln, die sie gut gehütet bis nach Deutschland auf den Wochenmarkt getragen hat.

Dann hatte ihr Leben plötzlich keinen Sinn mehr, leer und ausgebrannt stand sie plötzlich auf dem Abstellgleis. Ich habe Nanny völlig selbstlos aus der Arbeitslosigkeit gerettet und auch vor dem sicheren Tod in der Müllverbrennungsanlage. Auf dem Wochenmarkt stapeln sich nämlich immer viele Obst- und Gemüsekisten aus Sperrholz, alle mit praktischen Griffen an der Seite und noch stabil genug für eine zweite Karriere im Garten. Sie werden weggeworfen, wenn ihr Inhalt abverkauft ist.

Es gibt sicher hübschere als meine Anny (die von Elbeobst sind die dekorativsten, finde ich), aber man soll ja nicht nur aufs Aussehen achten. Außerdem hat sie bequem auf dem Fahrradgepäckträger Platz gefunden, ohne zerdrückt zu werden. Sie durfte dabei sogar als Erinnerung an alte Zeiten meine Gemüseeinkäufe tragen.

Nun hat sie einen neuen Beruf bei mir bekommen nach einer kurzen Umschulung: Anny wird zur Nanny - sie leistet ab sofort einen wertvollen Beitrag in der Kinderbetreuung und soll Jungpflanzen großziehen. Das passt gut zu ihrem Beschützerinstinkt, Talente soll man ja fördern.

Um Anny auf die neue Aufgabe vorzubereiten habe ich Folie in die Kiste getackert und mit dem Messer einige Schlitze hineingeschnitten, damit Wasser ablaufen kann. Als Substrat habe ich Erde aus den Tomatentöpfen vom letzten Jahr hineingebröselt, denn zur Anzucht darf es ruhig nährstoffarm zugehen. So musste ich auch keine neue Blumenerde kaufen.


 

Dann habe ich zunächst das Saatgut gesichtet, Metallschilder aus Katzenfutterschalen zurechtgeschnitten und mit Schlagbuchstaben malträtiert, bis druckfrisch die Beschriftung zutage trat. In Reihen habe ich Samen von Edel-Distel, Seidenpflanze, Lunaria annua, Wegwarte und Nachtviole eingesät (weil ich selbst etwas behämmert war, steht auf dem Schild nun "NACHTVIQLE").


Nun wünsche ich Anny einen guten Start in ihr neues Berufsleben und hoffe, dass sie sich gut anstellt in der Jungpflanzenanzucht. Euch wünsche ich viel Erfolg beim Aufstöbern einer Kiste auf dem Wochenmarkt!

________________________________________________________

Weil es so gut zum Thema passt, möchte ich noch schnell das Buch vom Garten-Fräulein vorstellen: "Mein kreativer Stadtbalkon", erschienen im Verlag Edition Michael Fischer.

Es richtet sich an Balkongartenanfänger mit studentischem Stil sowie Budget und zeigt viele Selbstbautipps und Gärtnerwissen in detailverliebter Aufmachung - alles für das Leben auf dem Balkon, nebst Ausrichtung eines Mädelsabend mit Rezepten. Auch mein Lieblingsprojekt, das ich selbst schon ausprobiert habe, ist vertreten: Kartoffel im Reissack.