Die Holländer sind schon Meister im Gärtnern. Da muss man sich nur die Formschnittgehölze anschauen: Alles, was bei drei kein Baum geworden ist, lässt sich als ganz schmales Spalier in den Garten stellen, ganz egal ob Magnolie, Kastanie, Blutpflaume oder Hainbuche. Nirgendwo sieht man außerdem so viele verschlungene Buchsbaumhecken im Vorgarten oder Kübel mit bunten Blumenzwiebeln. Von den in Deutschland um sich greifenden Steinwüsten keine Spur.
Und was könnte besser die Gartenkunst der Holländer widerspiegeln als der Keukenhof - diese gigantische Frühlingsshow ganz im Namen der Blumenzwiebel? Am Tag vorher schwärmte mir eine Britin vor, Keukenhof sei even better als die Chelsea Flower Show - "so pristine!"

Der Osterhase war auch da, als Tulpe verkleidet:
Auch gärtnerische Inspirationen werden gezeigt, wie diese Holzkübel mit Gemüse (ein panaschierter Senf?) und Blumen:
Hier hängt Gemüse im Wasserkessel von der Gewächshausdecke - hoffentlich sind die Paprika schwindelfrei:
Ich habe gelernt, dass Krokusse mit Tulpen kombiniert gut aussehen, da das Laub der verblühten Krokusse locker-flockig wie Gras wirkt:
Das Kontrastprogramm zum Keukenhof war die Bio-Gärtnerei Noordwijk Buiten mit einem liebevoll eingerichteten Cafe im Gewächshaus. Auch hier gibt es Tulpen zu sehen, gern zum Selberpflücken.
Das Kontrastprogramm zum Keukenhof war die Bio-Gärtnerei Noordwijk Buiten mit einem liebevoll eingerichteten Cafe im Gewächshaus. Auch hier gibt es Tulpen zu sehen, gern zum Selberpflücken.
Früher wurde das rollende Gewächshaus auf Schienen über die Blumenzwiebelfelder geschoben, um an immer anderer Stelle den Zwiebeln einzuheizen und Schnittblumen zu gewinnen. Heute ist es dank der in ihm rankenden Weinstöcke aber sesshaft geworden und gut angewurzelt. Selbst der Bus fährt nicht mehr.
Die Bäume darin müssen noch nicht mal gegossen werden, weil der hohe Grundwasserspiegel ihnen das Wasser frei Haus serviert.
Die Bäume darin müssen noch nicht mal gegossen werden, weil der hohe Grundwasserspiegel ihnen das Wasser frei Haus serviert.
Die Gäste des Cafes werden aber gern bewirtet und können Kaffee oder kalte Getränke bekommen, aber auch leckeren Tee aus den Blättern der gewöhnlichen Tellerhortensie (Hydrangea serrata).
Überhaupt verkauft die Gärtnerei eine unglaubliche Zahl an Kräutern in allen nur erdenklichen Geschmacksrichtungen. Besonders beeindruckt war ich von der vegetarischen Auster, die auf die Hand serviert wird: Man nehme ein Blatt der Austernpflanze (Mertensia maritima), ein salztolerantes Borretschgewächs, und legt darauf ein fleischiges Blatt der Karkalla (Zoute Banaan, Carpobrotus rossii), ein Mittagsblumengewächs. Der Geschmack ist sensationell - wer braucht da noch echte Austern?
Im Angebot sind auch noch Meerrettich, Meerkohl, Strauch-Melde (Atriplex halimus), Meerfenchel, Prickelblume, Wasabi, essbare Veilchen, die die Zunge blau färben, Cola-Kraut und viele andere Raritäten - gern mit maritimer Herkunft. Wer seinem Garten etwas Exklusivität oder Strandatmopshäre verleihen und ein paar Partygags für den nächsten Grillabend haben möchte, sollte hier shoppen gehen.
Von links nach rechts: Meerkohl, Rumex, Rosenwurz (Rhodiola rosea):
Von links nach rechts: Meerkohl, Rumex, Rosenwurz (Rhodiola rosea):
Übernachten kann man auch dort und Feste veranstalten - in einem sensationell eingerichteten Gewächshaus mit exotischen Pflanzen, dem Bloemenbed. Sogar Maderia-Storchschnabel ist dort einquartiert! Die beiden Schlafzimmer befinden sich in den grünen Holzhäusern auf der Empore:
Mit blauer Zunge von den Veilchenblüten, vielen Anregungen, einem Meerkohl und einer essbaren Tagetes im Gepäck haben wir die Gärtnerei wieder verlassen.
Holland hat mich also nachhaltig beeindruckt. Nur die blaue Zunge ist irgendwann wieder normal geworden.