Hat es nicht schon fast etwas Ketzerisches, wenn man dem Garten nicht nur Glücksmomente entlocken kann? Der Garten als Quell des Unheils statt der ungetrübten Freude? Unerhört! Sowas gibt es ja wohl nicht, in den Gartenzeitschriften sieht man ja auch nur lachende, hübsche Menschen, die voller Freude Dinge tun. Den Garten mit dem Schlauch von der Dürre befreien zum Beispiel. Oder Rasen mähen in makellosem Outfit, während man selbst gerade vor Hitze zu zerfließen droht. Nein, diesen Sommer bin ich etwas nörgelig mit dem Garten - ich bitte dies zu entschuldigen, das geht auch wieder weg.
Erst war da diese katastrophale Trockenzeit im Juni, die mich an den Rand des Wahnsinns getrieben hat und mehrmals am Tag quer durch's Haus mit der Gießkanne (die Regentonne steht im Vorgarten, die meisten notleidenden Pflanzen nicht). Dabei fiel schon negativ auf, dass zu allem Überfluss auch noch der Weinfass-Teich soff wie ein Loch, denn ein solches hatte er ganz offensichtlich. 40 nagelneue Liter Wasser aus der Regentonne waren in Null-Komma-Nix versackt. Den Phlox daneben hat's sichtlich gefreut.
Das wurde mir jetzt doch zu blöd. Meine armen Libellenlarven! Im Baumarkt fand sich kein passender Weinfass-Einsatz zum Abdichten, also haben wir aus lauter Verzweiflung so ein Fertigteichdingsbums mit Kunststoffeinsatz und Holzvertäfelung mitgenommen. Beim Leerräumen des Fasses traten auch sofort eklatante Mängel in Form von Fäulnis zutage. Als Teich war das nicht mehr zu gebrauchen. Die Libellenlarven (von einer Großlibelle, vielleicht Sympetrum) hatten sich vergraben, konnten aber gerettet werden, ebenso wie Hechtkraut und Schwanenblume.
Bepflanzen lässt sich das alte Fass aber bestimmt noch. Die Pflanzen richten sich hoffentlich demnächst mal wieder auf und freuen sich ihres neuen, feuchtfröhlichen Lebens...
Und während am Weinfass der Zahn der Zeit nagt, sind es an der Stachelbeere die Blattwespen. Da kann man schon mal die Motten kriegen, wenn man Hunderte von Larven abgesammelt hat und trotzdem kein einziges Blatt mehr dran ist. Denn wenn ich arbeiten muss, sind die Fresssäcke auch nicht untätig und machen Kahlfraß.
Wenigstens die Beeren fressen sie nicht, noch nicht mal in der Not. Stachelbeermarmelade ist also wie immer ein Projekt, das ich angehen kann - für schlechte Zeiten. Die kommen dann, wenn ich im Winter auf dem Sofa sitze und denke: Ach, was war er doch wieder schön. Der Sommer.




































