Kennt ihr diese Rezepte, für die man zig Dinge braucht, die man gerade nicht in der Küche hat und schon gar nicht im Garten? Irgendwann neulich brauchte ich frischen Koriander, aber an den war weder mit Geld noch guten Worten ranzukommen. Prima, wenn man den im Garten hat, und noch besser, wenn es gerade auch noch Sommer ist.
Was aber macht man im Winter oder wenn man vergessen hat, welchen auszusäen? Mit dieser korianderlosen Zeit ist jetzt Schluss! Ich bin nämlich im Besitz des fantastischen Vietnamesischen Korianders (Persicaria odorata)! Der ist eine Staude, und zwar eine sehr frostempfindliche. Daher residiert er auf der Wohnzimmerfensterbank, da hat er es warm und gemütlich. Für's Foto habe ich den wuchernden Wuschel kurz mal freigestellt:
Eigentlich ist Persicaria odorata ein Etikettenschwindler, denn er ist gar kein Koriander, sondern ein Knöterich. Daher kommt die Fensterbank jetzt immer ein bisschen verunkrautet daher, zumindest optisch, denn er sieht aus wie einer der Unkrautknöteriche. Aber er schmeckt eben wie Koriander. Das tun übrigens einige Pflanzen, die alle nicht miteinander verwandt sind. Es gibt auch Mexikanischen Koriander (Eryngium foetidum), das ist dann ein Mannstreu.
Interessant ist, dass die eine Pflanze als stinkend (foetidum) bezeichnet wird, die andere als duftend (odorata)... Das arme Eryngium nennt man auch Stinkdistel...
Bekommen habe ich meinen Knöterich-Koriander als Ableger. Man kann ihn entweder teilen oder Triebe in Wasser bewurzeln.
Wasser ist auch ein gutes Stichwort: Diese Pflanze braucht sehr viel davon! Für ein langes Wochenende Urlaub lasse ich Wasser im Untersetzer stehen und gebe ihm zusätzlich noch eine Bewässerungshilfe. Passt man mal nicht auf, hat sich das Kraut schon selbst getrocknet und sieht aus wie aufgussfertiger Koriandertee. Zum Glück erholt der Herr Knöterich sich aber erstaunlich schnell wieder, wenn man das Welken noch rechtzeitig bemerkt. Man kann richtig dabei zuschauen, wie er nach der Wassergabe lebendig wird.
Man kann die Blätter auch absichtlich trocknen, sie verlieren ihr Aroma dabei nicht komplett. Auch schmecken sie pfeffriger als echter Koriander.
Gut, an seinem Aussehen muss Persicaria odorata noch arbeiten, aber ansonsten bin ich richtig begeistert, jetzt Unmengen Korianderaroma griffbereit zu haben. Schneidet man ihm die Spitzen zum Ernten der Blätter, wächst er rasch wieder nach.
Habt ihr den Vietnamesischen Koriander schon mal probiert?






